Der Produktivität ein Schnippchen schlagen – oder wie man die Dinge professionell aussitzt

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So, nun sitze ich hier und arbeite (oder versuche zu arbeiten) und denke nach, was ich über das Thema Produktivität schreiben könnte. Also ich denke, den ganzen Tag über irgendwie produktiv zu sein ist schon eine nette Vorstellung. Damit kann man ja letztlich sein Unternehmen, Job,  Hobby oder sonstige Aktivitäten ordentlich voranbringen. Sind wir alle, im 21. Jahrhundert angekommen, nicht doch schon sehr produktivitäts-orientiert? Vor dem Jahre 1600 hat das Wort „produktiv“ noch gar nicht existiert, und nun sind die Menschen in der Lage, auf einer täglichen Basis nahezu unglaubliche Ergebnisse zu erzielen; wie kommt das?

Warum wir vieles lieber aufschieben

Also, ich bin ja nun nicht so unvernünftig zu sagen, dass Produktivität im Allgemeinen einen schlechte Sache sei. Ich persönlich denke, dass es eine der Tugenden ist, die man im Leben meistern sollte. Da ich selbst Unternehmer bin, verstehe ich schon eine ganze Menge von Produktivität und organisierten Arbeitsabläufen, dafür werde ich letztlich ja auch mit bezahlt. Aber ich denke auch, dass die Glorifizierung von maximaler Produktivität als dieses eine unerreichbare Ziel sehr oft unbefriedigende Resultate hervorbringt. Die meisten Menschen tun sich schwer damit, produktiv zu sein, weil sie einfach nicht sehen wollen, wie einfach die Dinge sein können, und wie wenig man temporär eigentlich im Kopf behalten muss.

Dabei ist es ganz wichtig,  möglichst „relaxed“ zu leben, sich überwiegend entspannt zu fühlen. Wer nicht entspannt ist, kann keine guten Ergebnisse erzielen (egal was man tut), und hier kommt der (für die meisten doch noch recht neue) Begriff „ Prokrastination“ ins Spiel – ein anderes Wort für das Aufschieben halt. Wikipedia.de übersetzt den Begriff gar mit Kontraproduktivität. Sobald wir realisieren, dass es da eine Menge zu tun gibt in unserem Leben, und dafür eigentlich nur wenig Zeit ist, geraten wir unter Stress und kümmern uns auf einmal mehr um einfache (aber unwichtige) Dinge und verschieben das Wesentliche.

Es gibt da aber auch gottlob eine klare Abgrenzung zwischen Prokrastination und Faulheit.

Wenn man überhaupt nichts tut: Faulheit.

Wenn man einfache Dinge macht anstatt der wichtigen Aufgaben: Prokrastination

Solltest Du prokrastinieren?

Hier kommt der Kick. Ja, natürlich, das solltest Du, warum zum Teufel nicht? Die meisten Experten zum Thema Produktivität raten uns, das wir immer die wichtigen Aufgaben im Blick behalten sollen und jeden, auch den kleinsten Anflug von Prokrastination bekämpfen sollen. Ich sage das genaue Gegenteil (hmmhm…ich bin wohl kein Experte…).

Ich versuche Dir hier zu vermitteln, dass man die Dinge durchaus aussitzen kann, wenn man gerade in der Stimmung dafür ist, und die Zeit nutzen sollte, seine Ziele neu aufzustellen. Was ich damit meine: Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der ein wichtiges Projekt in den Wind schießen wollte, weil er noch keine Zeit dafür gefunden hat. Wenn einem etwas wichtig ist, dann findet man die Zeit dafür. Wenn etwas für Dich persönlich nicht so wichtig ist, ja dann wirst Du Probleme bekommen, es zu erledigen, weil Du dann gegen Dich selbst arbeitest.

Das heißt konkret, dass “notwendige” Aufgaben nicht zwingend „notwendig“ sein müssen, wenn Du es innerlich ablehnst, diese Aufgaben zu übernehmen. Das Problem hierbei: Wir lieben es oftmals (oder verspüren den Drang dazu), uns selbst einzureden, dass etwas für uns wichtig wäre, wenn es von außen betrachtet aber gar nicht wichtig für uns ist. Die Lehre hieraus ist einfach: Wenn Du in der Stimmung bist, die Dinge auszusitzen, dann tue es, aber tue es professionell, und nutze die Zeit, neu zu bewerten, was Du „auf den Schirm kriegen willst“.

Bevor Du damit anfängst…

Optimiere Deinen Terminkalender und lege exakt Deine Entspannungsphasen fest.

Das Konzept, dass ich Dir in einer Minute zeigen werde, ist ein ziemlich brutales; bevor Du es also ausprobierst, rate ich Dir, einen Blick auf Deinen Terminkalender zu werfen, vor allem die darin vorgesehenen Zeiten zum Abschalten.

Ein paar Absätze weiter oben hatte ich behauptet, dass fehlende Entspannung einer der Hauptgründe für Prokrastination ist. Es nun einmal so: Wenn Du entspannt bist, hast Du Dich unter Kontrolle. Da gibt es keinen Zweifel oder unnötigen Stress die Dinge betreffend, die Du tun solltest und wann Du sie erledigen solltest. Entspannung erlaubt Dir, immer die Aufgaben im Blick zu behalten, die Du ursprünglich geplant hast, anstatt Ablenkungen zu (er)finden.

Also, bevor Du irgendetwas anderes tust, solltest Du vorher Deine „Wohlfühl-Zeiten“ festlegen – feste Zeiten, die Dir Raum geben für alle Deine Lieblingsaktivitäten, die nichts mit Arbeit zu tun haben, und die nicht unbedingt immer in den späten Abendstunden stattfinden müssen. Sobald das sichergestellt ist, kannst Du den Feierabend entspannt mit dem Aufladen Deiner „Akkus“ verbringen. Dies wiederum ermöglicht Dir, fließender in Deinen produktiven Stunden zu arbeiten.

Dann stellt sich auch nur eine Frage: Hast Du es überhaupt nötig, zu prokrastinieren? Wenn Deine Antwort immer noch ein „Ja“ ist, dann solltest Du einiges in Deinem Leben mal ernsthaft neu bewerten.

Wie man richtig prokrastiniert

Ich will hier mein Konzept teilen, um es zu verdeutlichen.

1)      Seit ungefähr zwei Monaten führe ich ein Selbstexperiment durch: Jedes Mal, wenn ich dazu neige, die Dinge aufzuschieben, kämpfe ich NICHT dagegen an, sondern passe mich diesem Fluss an, ich bleibe im Fluss.

2)      Dann verbringe ich 5 Minuten oder so damit, den Grund für meine Prokrastination zu ergründen. Ich konzentriere mich auf die als vorher wichtigste festgelegte Aufgabe des Tages und warum ich mich nicht darum kümmern will. Ich liste jeden Grund einzeln dafür auf, der mir einfällt.

3)      Wenn ich damit durch bin, lege ich die Liste beiseite und widme mich den anderen Tagesaufgaben – und zwar denen, mit deren „Hilfe“ ich die eigentlich wichtige aufschiebe. Dabei sollten diese anderen Aufgaben schon von einer gewissen Relevanz sein – alles andere kann man sicherlich als reine Zeitverschwendung betrachten.

Ich wiederhole diesen Prozess mittlerweile oft, wann immer mich die Prokrastination überkommt. Wenn ich dann feststelle, dass ich ein bestimmtes Projekt immer wieder hinausschiebe, dann ist es möglichweise nicht das richtige Vorhaben für mich. Und genau dann bewerte ich es für mich persönlich völlig neu, und in den meisten Fällen lasse ich es komplett fallen.

Stell Dir folgende Situation vor: Du betreibst ein bestimmtes Geschäft und weißt, dass die Kaltakquise hierfür das optimale Marketinginstrument ist, um Kunden zu gewinnen. Seit zwei Wochen schiebst Du jeglichen Telefonkontakt in dieser Richtung vor Dir her. Vielleicht solltest Du jetzt aufhören, Dich selbst zum Narren zu halten und etwas versuchen, das besser zu Dir passt? Du könntest jetzt ja auch schnell zu der Meinung gelangen, dass telefonische Kaltakquise überhaupt nicht funktioniert; aber das stimmt ja nicht, ganz im Gegenteil. Aber für Dich ist es unter Umständen nichts, Du fühlst Dich nicht wohl damit. Vielleicht könntest Du es auslagern an jemanden, der es kann oder gerne macht? Egal, wie Dein Job oder Deine Arbeit aussieht, Du solltest immer Deinen eigenen, effektiven „Wohlfühl-Weg“ finden, engagiert und produktiv zu bleiben – nicht darüber nachdenken, was generell am effektivsten sein könnte, das dann aber niemals umsetzen.

Der Punkt ist ganz einfach: Tue, was für DICH richtig ist. Wenn Du übermäßig prokrastinierst, dann bist Du oftmals nur im falschen Projekt oder Tätigkeitsfeld.

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